Dohnas Bürgermeister Friedhelm Putzke über den bevorstehenden Wahlkampf und die
Vorhaben fürs Jahr 2008.
Herr Putzke, auch 2008 will Dohna finanziell eine Muster-Kommune bleiben. Spürt
der Dohnaer eigentlich, dass die Stadt schuldenfrei ist?
Es steht ja immer mal in der Zeitung. Aber im Ernst: Wir haben keine
Straßenbaugebühren und die niedrigsten Abwassergebühren im Landkreis. Unsere
Schulen sind in Ordnung. Deswegen kommt natürlich keiner zum Bürgermeister
gelaufen und bedankt sich. Viele haben es erst dieses Jahr so richtig
registriert, als sie Steuerbescheide mit einer gesenkten Grundsteuer bekommen
haben.
Welche Investitionen sind 2008 geplant?
Wir werden den Abwasserbau Borthen-Burgstädtel fertigstellen und verlegen für
rund eine Million Euro Mischwasserkanäle im Stadtgebiet. Wir wollen die
kommunalen Gebäude Antonstraße 9, Anna-Hirsch-Straße 13 und Köttewitz 39
sanieren sowie den Brandschutz an der Mittelschule verbessern. Weil unsere
Kinder-Einrichtungen aus allen Nähten platzen, wollen wir in Borthen ein
zusätzliches Gebäude für 20 Kindergartenplätze herrichten, und zwar noch vor
Schuljahresbeginn. Außerdem wird der „Biene“-Hort erweitert. Das zusammen kostet
die Stadt rund 250000 Euro, aber wir haben dann für alle Kinder einen
Kindergarten- und Hortplatz sicher.
Auf der Autobahnbrücke in Röhrsdorf wurde nach der Kritik von Anwohnern ein
Fußweg angelegt. Doch er führt nicht weiter ins Wohngebiet Kellerstück bzw.
Richtung Bauernmarkt. Wann wird der Fußweg gebaut?
Dieses Jahr. Der Planungsauftrag ist ausgelöst, die Mittel sind im Haushalt
eingestellt.
Sieht es für den lange geforderten Fußweg zwischen Dohna und Köttewitz auch so
gut aus?
Dieser Fußwegbau ist nach wie vor ein Problem, weil der Weg zu 80 Prozent
außerhalb der Ortschaften verlaufen wird. Das heißt, der Landkreis Sächsische
Schweiz ist in der Pflicht. Da noch einige offene Fragen zu klären sind, schätze
ich, dass der Fußweg dieses Jahr leider nicht fertig werden kann.
Der Stadt geht es nicht schlecht, dennoch werden Sie in den Medien oft kritisch
dargestellt. Dohna sorgt mit Gerichtsprozessen immer wieder für Schlagzeilen.
Sind Sie streitlustig?
Dass wir häufig Prozesse führen, will ich gar nicht in Abrede stellen. Wenn ich
mich ungerecht behandelt fühle, dann kämpfe ich eben für mein Recht. Wenn zum
Beispiel in Bausachen geschludert wird, warum soll ich dann für schlechte
Leistung den vollen Preis zahlen – zu Lasten der Dohnaer Bürger? In 80 Prozent
unserer Verfahren haben wir gewonnen oder zumindest einen Vergleich erzielt.
Diese Erfahrung zeigt mir, dass es sich lohnt. Für den Steuerzahler hat das
Vorteile. Auch wenn man manchmal als prozessfreudig hingestellt wird.
Auch gegen Ihre Bürger greifen Sie zuweilen hart durch. Zuletzt pfändete die
Stadt ein privates Konto wegen zwei Euro Schulden. Zudem beschweren sich viele
über ein grassierendes Knöllchen-Fieber in Dohna.
Dass Herrn Noack, den Sie hier ansprechen, wegen der Pfändung fast das Herz
stehen geblieben sein soll, kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen. Ihm ist
es, seit er in Köttewitz wohnt, fast nie gelungen, seine Grundsteuer pünktlich
zu zahlen. Ich habe ihm schon vor Jahren erläutert, welche Folgen das haben
kann. Und was die schriftlichen Verwarnungen für falsches Parken betrifft, davon
werde ich nicht absehen können. Ich bin kein Knöllchenjäger. Aber wenn ich
Verkehrsverstöße sehe, bringe ich sie zur Anzeige. Das ist schlicht und einfach
meine Pflicht, und viele Bürger wissen das zu schätzen. Ich bin als
Bürgermeister schließlich nicht nur für die Autofahrer da.
Wie sehen Sie die Zukunft der Stadt? Bleibt sie eigenständig, fusioniert sie mit
Müglitztal – oder mit Heidenau?
Beides steht im Moment nicht zur Debatte. Obwohl ja bekannt ist, dass ich eine
Fusion von Dohna und Müglitztal befürworte.
Sie sind unzufrieden mit der Verwaltungsgemeinschaft …
Ich würde sie am liebsten so schnell wie möglich auflösen und Müglitztal nach
Dohna eingemeinden. Das hätte große Vorteile, vor allem auch für die Einwohner
der Gemeinde Müglitztal. Das Verhältnis in der Verwaltungsgemeinschaft ist
katastrophal. Der Müglitztaler Bürgermeister Jörg Glöckner hat einfach ein
anderes Verständnis von Amts- und Verwaltungsführung als ich.
Sie haben sich bisher noch nicht öffentlich geäußert, ob Sie im Juni noch einmal
für das Amt des Bürgermeisters kandidieren. Haben Sie sich entschieden?
Ja. Ich trete noch einmal an.
Ralf Müller, der Chef der CDU-Fraktion im Stadtrat, will sich ebenfalls um das
Bürgermeisteramt bewerben. Rechnen Sie mit einem harten Wahlkampf?
Von meiner Seite aus wird es auf keinen Fall eine Schlammschlacht geben. Ich
führe einen Wahlkampf mit Argumenten. Dohna steht unter einem Bürgermeister
Putzke gut da. Und die Wahlversprechen, die ich vor sieben Jahren gegeben habe,
habe ich alle erfüllt.
Das Gespräch führte Christian Eißner.
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